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Die 7 besten Wanderungen im Allgäu mit Teenagern

Schlägt man Teenagern eine Wanderung vor, kommt meist nur ein genervtes Augenrollen zurück und die Frage, warum man nicht einfach am Pool bleiben kann. Im Allgäu löst sich diese hartnäckige Blockadehaltung jedoch erstaunlich schnell in Luft auf. Das Geheimnis? Man muss das Wandern einfach heimlich verpacken. Wasser zum Baden, eine Rodelbahn am Ende, eine Nacht auf der Hütte oder ein Klettersteig mit echtem Nervenkitzel ziehen als Argumente deutlich besser als das Versprechen eines hübschen Panoramas. Wenn das Ziel stimmt, verschwindet das Smartphone plötzlich ganz von selbst in der Tasche.

Wanderweg durch alpine Sommerlandschaft

1. Starzlachklamm am Grünten

Die Starzlachklamm bei Burgberg ist eine äußerst vielseitige Tour, denn sie wächst mit dem Alter und dem Mut der Jugendlichen mit. Vom kostenpflichtigen Wanderparkplatz im Weiler Winkel spazieren Sie zunächst durch eine gemütliche Auenlandschaft, die perfekt dafür geeignet ist, im seichten Wasser zu waten oder Steindämme zu bauen. Nach knapp einer Viertelstunde taucht das Kassenhäuschen auf – und dahinter das eigentliche Spektakel: die große Gumpe samt Wasserfall. Für die Durchquerung der Klamm brauchen Sie etwa 30 Minuten, während die gesamte kleine Rundtour gut eine Stunde in Anspruch nimmt.

Im Hochsommer verwandelt sich die große Gumpe unterhalb des Wasserfalls in ein spektakuläres Naturschwimmbad, genau dort, wo normalerweise Canyoning-Gruppen in Neoprenanzügen die 18 Meter lange Felsrutsche hinunterjagen. Dieses gewaltige Erlebnis fordert allerdings Respekt ein: Die Strömung hat ordentlich Zug, weshalb der Badespaß nur für wirklich sichere Schwimmer und unter elterlicher Aufsicht taugt. Der Weg durch die Schlucht führt über Felsen und Holzstege. Weil die Stege bei Nässe tückisch glatt werden, gehören zwingend feste Schuhe an die Füße. Für den Erhalt der Anlage investieren Sie beim Klammwirt rund 5 Euro Eintritt. Die Tore stehen von April bis etwa Mitte November täglich von 9 bis 17 Uhr offen.

Wer überschüssige Teenager-Energie abbauen muss, erweitert den Ausflug einfach zu einer handfesten Bergtour. Der Aufstieg zum 1.738 Meter hohen Grünten, dem markanten "Wächter des Allgäus", streckt die Route auf knackige 12 Kilometer, 980 Höhenmeter und satte sieben Stunden Gehzeit.

2. Breitachklamm bei Oberstdorf

Als tiefste Felsenschlucht Mitteleuropas muss sich die Breitachklamm nicht erst beweisen, denn ihre schieren Dimensionen rauben schlichtweg den Atem. Über Jahrzehnte wurden hier 2.500 Meter Weg waghalsig aus dem Fels gesprengt. Man wandert an senkrechten Wänden entlang, während tief unten das Wasser ohrenbetäubend wütet. Der klassische, technisch sehr einfache Rundweg ist 4,2 Kilometer lang und in rund anderthalb Stunden erledigt. Erwachsene zahlen 7,50 Euro Eintritt, für Kinder werden 2,50 Euro fällig.

Der absolute Motivations-Booster für Jugendliche ist jedoch die Durchquerung bis ins Kleinwalsertal: Statt im Kreis zu laufen, folgen Sie am Ende der Schlucht dem Schild in Richtung Riezlern. Nach insgesamt 7,5 Kilometern und etwa zweieinhalb Stunden Fußmarsch steigen Sie dort einfach in den Bus und fahren bequem zurück nach Oberstdorf. Eine solche Streckenwanderung von A nach B fühlt sich für Teenager oft nach einer echten Mission an, erfordert aber von Ihnen, vorher kurz den Busfahrplan zu checken. Im Winter legt die Natur noch nach: Dann verwandelt sich die Klamm in einen Eispalast, durch den je nach Wetterlage Fackelwanderungen führen. Bei diesem Anblick zieht selbst der müdeste Couch-Potato freiwillig die Winterstiefel an.

Ein entscheidender Fakt für die Reiseplanung ist, dass die Naturgewalten die Öffnungszeiten diktieren. Während der Schneeschmelze, grob von Mitte März bis Ende April sowie Mitte November bis Mitte Dezember, bleibt das Tor meist zu. Auch Steinschlag oder wilde Wetterkapriolen können für spontane Sperrungen sorgen. Ein kurzer Blick auf den aktuellen Status am Tag vor der Tour erspart Ihnen lange Gesichter am Eingang.

3. Tegelberg über die Pöllatschlucht

Wer bei Schwangau auf den Berg will, bekommt hier das volle Programm: eine sportliche Herausforderung gepaart mit einer Kulisse, für die das Smartphone fast glüht. Die Route passiert Schloss Neuschwanstein, überquert die berühmte Marienbrücke mit Blick auf die Türme und den 30 Meter tief stürzenden Pöllat-Wasserfall, unter der sich die schmale Pöllatschlucht auftut. Bis zum Tegelberghaus kommen rund 8 Kilometer und 900 Höhenmeter zusammen. Das Gelände wird teilweise steil, sodass hin und wieder die Hände zupacken müssen. Kurz gesagt handelt es sich hierbei um keine Sonntagsrunde für Anfänger, sondern um ein Projekt für konditionsstarke, bergerfahrene Jugendliche.

Der geniale Schachzug dieser Tour liegt in der flexiblen Rückkehr. Sie können sich beim Aufstieg völlig verausgaben und für den Rückweg entspannt in die Tegelbergbahn steigen. Das macht die Strapazen absehbar, zumal unten an der Talstation eine Sommerrodelbahn wartet, die den Schweiß des Aufstiegs augenblicklich vergessen macht. Für dieses Vorhaben sollten Sie allerdings früh aufbrechen. Nur in den Morgenstunden haben Sie die Marienbrücke noch halbwegs für sich, bevor der internationale Andrang sie flutet.

Vor dem Start müssen zwei Dinge klar sein: Die Pöllatschlucht selbst ist seit einem Felssturz bereits seit Jahren gesperrt, während die Marienbrücke nach einer aufwendigen Sanierung wieder zugänglich ist. Der freie Zugang zur Schlucht ist also keine Garantie, weshalb Sie den aktuellen Status bitte vorab prüfen sollten. Und wer spontan doch noch ins Schloss möchte, hat Pech: Tickets gibt es ausschließlich vorab im Ticket Center drunten in Hohenschwangau und nicht oben am Tor.

4. Koblat-Höhenweg am Nebelhorn

Sie wünschen sich hochalpines Gipfelfeeling ohne stundenlanges Schnaufen? Der Koblat-Höhenweg über Oberstdorf ist der perfekte strategische Kompromiss für Teenager. Den schweißtreibenden Teil übernimmt die Nebelhornbahn, die Sie mühelos bis knapp unter das 2.224 Meter hohe Gipfelkreuz transportiert – das Pflicht-Selfie nimmt man von dort natürlich noch schnell mit. Anschließend führt der Höhenweg durch die weite Hochmulde des Koblat. Vorbei am schimmernden Koblatsee, dem Laufbichelsee und dem Engeratsgundsee wandern Sie hinab zum Giebelhaus. Die Bilanz der Tour lautet: etwa 9,5 Kilometer Strecke, kaum 320 Höhenmeter bergauf, dafür aber heftige 1.178 Höhenmeter bergab.

Machen Sie dem Nachwuchs vorab klar, worauf er sich einlässt: Dieser lange Abstieg brennt ordentlich in den Oberschenkeln und drückt auf die Knie. Wanderstöcke sind hierbei Gold wert. Die eiskalten, klaren Bergseen laden zur perfekten Brotzeitpause ein, während der Pfad ein Stück weit direkt unter dem respekteinflößenden Hindelanger Klettersteig verläuft, was ganz automatisch für Gesprächsstoff sorgt. Wer diesen Weg wählt, muss zwingend trittsicher und schwindelfrei sein und eine ordentliche Grundkondition mitbringen.

Eckdaten Wert
Strecke ca. 9,5 km
Aufstieg / Abstieg ca. 320 m / 1.178 m
Höchster Punkt 2.033 m
Gehzeit ca. 6,5 Stunden

Der absolute Knackpunkt wartet am Schluss: Unten am Giebelhaus fährt lediglich stündlich ein Pendelbus zurück nach Hinterstein. Wer den letzten verpasst, darf sich auf einen weiteren zweistündigen strammen Marsch einstellen. So etwas ruiniert die beste Stimmung in Sekunden. Bei Gewittergefahr oder tückischem Altschnee im Frühsommer streichen Sie diese Tour am besten ganz vom Plan.

5. Alpsee Bergwelt mit Alpsee Coaster

Wenn gar nichts mehr geht und die Wanderlust bei null liegt, hilft bei Immenstadt nur noch ein starker Anreiz: pures Adrenalin. Sie fahren zunächst gemütlich mit der Sesselbahn hinauf. Oben warten zwar wirklich idyllische Wanderwege quer durch den Naturpark Nagelfluhkette mit herrlichen Blicken auf den Großen Alpsee auf Sie. Der wahre – und oft einzige – Grund, warum Jugendliche hier ausnahmsweise bereitwillig mitkommen, ist allerdings ein anderer. Der Alpsee Coaster ist mit seinen 2.800 Metern Deutschlands längste Ganzjahres-Rodelbahn und ein absoluter Garant für gute Laune. Über 68 Kurven, 23 Wellen und etliche Sprünge sausen Sie mit bis zu 40 Stundenkilometern ins Tal. Zwischen fünf und zehn Minuten dauert die rasante Fahrt, wobei Sie den Bremshebel und damit das Tempo selbst in der Hand haben.

Ein kurzer Blick auf die Regeln klärt die Verhältnisse im Bob: Ab acht Jahren und einer Körpergröße von 1,40 Metern darf man alleine fahren. Wer einen Beifahrer mitnehmen möchte, muss mindestens 14 Jahre alt sein. Um den Tag voll auszuschöpfen, hängen Sie am besten noch eine Runde im Kletterwald Bärenfalle an, der zu den imposantesten Hochseilgärten Bayerns zählt. Ein netter Bonus: Die ersten 45 Minuten Parken vor Ort sind kostenlos.

Man muss hier ehrlich sein: Dies ist ein waschechter Erlebnisberg und keine kontemplative Naturerfahrung. Der Wanderanteil bleibt überschaubar. In der Ferienzeit stauen sich die Wartenden am Coaster beachtlich, weshalb frühe Besucher hier definitiv im Vorteil sind. Der große Trost: Durch die sichere Schienenführung fahren die Bobs das ganze Jahr über und lassen sich auch von schlechtem Wetter kaum bremsen.

6. Nagelfluhkette mit Hüttenübernachtung

Es gibt kaum eine bessere Methode, um Teenager zu begeistern, als die Aussicht auf eine echte Berghütte – weit entfernt vom heimischen Alltag und dem direkten Blickfeld der Eltern. Die Überquerung der Nagelfluhkette bietet genau dieses Abenteuer als Mehrtagestour. Der Klassiker führt vom Hochgrat hinüber in Richtung Mittag, wobei die Übernachtung urig ausfällt, zum Beispiel im Staufner Haus. Jugendliche ab etwa zwölf Jahren, die gut zu Fuß und vor allem trittsicher sind, meistern die Etappen dieser grandiosen Gratwanderung, die von April bis Oktober herrliche Tiefblicke in den Naturpark verspricht.

Ganz unterschätzen darf man das Terrain aber nicht. Manche Abschnitte, wie etwa der bissige Anstieg hinauf zum 1.794 Meter hohen Stuiben, sind mit Drahtseilen versichert – hier ist Schwindelfreiheit nicht bloß ein gut gemeinter Rat, sondern bittere Pflicht. Für Jugendliche, die bereits Bergerfahrung mitbringen, ist das Gelände grandios. Hier führt der Weg nicht über breite Forststraßen, sondern durch wildes, alpines Gelände. Wer die komplette Überschreitung anpeilt, bringt rund 29 Kilometer hinter sich. Es empfiehlt sich, die Distanz klug auf zwei oder drei Tagesetappen aufzuteilen.

Damit das Vorhaben gelingt, benötigen Sie organisatorisches Vorwissen: Hüttenschlafplätze in den Allgäuer Alpen sind extrem begehrt und erfordern viel Vorlauf bei der Reservierung. Zudem gibt es auf einigen Etappen keinerlei bewirtschaftete Alpen. Der Rucksack muss also zwingend ausreichend Proviant und Wasser enthalten. Ein hungriger, durstiger Teenager auf einem schmalen Grat ist schließlich das Letzte, was Sie auf dieser Tour gebrauchen können.

7. Edelrid-Klettersteig am Iseler

Wem das einfache Wandern zu eintönig ist, dem schnallen Sie am besten einen Klettergurt um. Der Edelrid-Klettersteig, der Kennern noch als Salewa-Klettersteig ein Begriff ist, thront über Oberjoch bei Bad Hindelang und gilt als etablierter Standard unter den mittelschweren Familienklettersteigen. Der große Vorteil für Familien mit gemischten Interessen: Wer nicht klettern will, nimmt einfach den ganz normalen Wanderweg hinauf zum Gipfelkreuz – und oben fällt man sich wieder in die Arme. Der Zustieg fällt kurz aus: Die Iselerbahn bringt Sie bequem nach oben, und von der Bergstation sind es nur entspannte 20 Minuten bis zur Felswand.

Ohne die komplette Ausrüstung aus Helm und Klettersteigset dürfen Sie hier nicht einsteigen. Fehlendes Material leihen Sie sich unkompliziert vor Ort, beispielsweise beim Bergfink, oder Sie engagieren direkt einen Guide. Für Neulinge ist Letzteres ohnehin eine sinnvolle Entscheidung. Der Steig hält nämlich eine anspruchsvolle Schlüsselstelle mit einem steilen Überhang bereit, an der gerade leichtere, kleinere Jugendliche stark zu kämpfen haben. Ein zusätzliches Sicherungsseil von oben ist hierbei enorm wichtig. Das Einstiegsalter geben die Anbieter meist mit 12 bis 14 Jahren an. Sehr beruhigend: Direkt am Anfang befindet sich ein kleiner, gesicherter Übungsfelsen. Dort kann der Nachwuchs das flüssige Umhängen der Karabiner trainieren, bevor es ernst wird.

Aus Rücksicht auf die Natur dürfen Sie nur zwischen Mitte Juni und Mitte Oktober an den Fels. Ein letzter, sicherheitsrelevanter Tipp: Der Steig weist viele erdige Passagen auf. Wenn diese nass werden, wird der Untergrund extrem rutschig und riskant. Ein blauer Himmel und trockener Fels sind hier also keine Frage der Bequemlichkeit, sondern schlichtweg ein Sicherheitsgebot.

Nach einem actionreichen Tag in den Bergen freut sich nicht nur der Nachwuchs auf ein bequemes Nest zum Runterkommen. Mit einer Ferienwohnung im Allgäu haben Sie nach jeder dieser sieben Touren einen entspannten Rückzugsort in der Nähe – ideal, um am nächsten Tag direkt die nächste Wanderung zu starten.