Die 7 kühlsten Wanderungen im Allgäu bei Hitze
Wenn das Thermometer im Tal die 30-Grad-Marke knackt, wird jeder Schritt auf den sonnenverbrannten Almwiesen zur schweißtreibenden Qual. Doch das Allgäu hält für genau diese Tage eine verborgene Topografie bereit: enge Felsschluchten, deren Grund das Sonnenlicht nie berührt, schattige Tobel unter einem dichten Blätterdach und rauschende Bäche, die für natürliche Kühlung sorgen. Sogar eine begehbare Höhle mit einstelligen Temperaturen und türkisfarbene Gumpen zum spontanen Eintauchen warten abseits der ausgedörrten Hänge.
Die Rettung vor der drückenden Luft liegt dort, wo das Gelände schroff wird und das Wasser sich seinen Weg bahnt. Schatten, kalter Stein und der Sprühnebel der Gebirgsbäche drücken die Temperaturen spürbar nach unten und machen Bewegung wieder möglich. Doch diese speziellen Mikroklimata haben ihre eigenen Gesetze und logistischen Haken, die den Unterschied zwischen einer echten Erfrischung und einem frustrierenden Ausflug ausmachen.

1. Eistobel an der Oberen Argen
Der Eistobel im Westallgäu ist die ruhigere Alternative zu den oft überlaufenen Schluchten weiter südlich. Auf rund 3,5 Kilometern frisst sich die Obere Argen durch das Naturschutzgebiet. Zwischen den bis zu 130 Meter hohen Felswänden, die hier dicht zusammenrücken, berührt kaum ein direkter Sonnenstrahl den Boden. Das Herzstück der Strecke ist der Hauptwasserfall, der 18 Meter in die Tiefe stürzt, flankiert von Stromschnellen und tiefen Gumpen.
Finanziell sticht diese Schlucht heraus: Mit 3,50 Euro für Erwachsene und 1,50 Euro für Kinder ist der Eintritt der mit Abstand günstigste unserer Auswahl. Sie werfen das Geld am Automaten ein, eine besetzte Kasse gibt es nicht. Los geht es am Infopavillon an der Argentobelbrücke zwischen Maierhöfen und Grünenbach. Für die klassische Runde sind Sie etwa 2,5 Stunden unterwegs, doch Sie können das Wegenetz auf bis zu 8,9 Kilometer und knapp 400 Höhenmeter ausdehnen.
Ein Punkt unterscheidet den Eistobel jedoch vom gepflasterten Spazierweg: Sie bewegen sich über Holzstege, Treppen und schmale Felsbänder. Gutes Schuhwerk ist hier absolute Pflicht; Sandalen haben in der Schlucht nichts verloren, denn der Untergrund zeigt: bei Nässe wird er rutschig und tückisch. Wenn sich an schwülen Hitzetagen nachmittags ein Allgäuer Gewitter zusammenbraut, sollten Sie am besten erst gar nicht loslaufen oder rechtzeitig umkehren.
| Merkmal | Eistobel |
|---|---|
| Länge Hauptrunde | ca. 3,5 km |
| Dauer | ca. 2,5 h |
| Eintritt | 3,50 € Erw. / 1,50 € Kind |
| Höhe Felswände | bis 130 m |
2. Breitachklamm bei Oberstdorf
Zwischen Oberstdorf und dem Kleinwalsertal verbirgt sich ein geologisches Extrem: Die Breitachklamm ist die tiefste Felsenschlucht Mitteleuropas. Das Wasser hat sich hier auf 2,5 Kilometern Länge bis zu 150 Meter tief durch das massive Gestein gefräst. Wenn Sie den Parkplatz an einem heißen Tag hinter sich lassen und in die Klamm hinabsteigen, spüren Sie die Erleichterung schon nach den ersten Schritten. Das Wasser und die massiven, schattigen Felswände wirken wie eine natürliche Klimaanlage. Die Luft ist feucht, kühl und um etliche Grad angenehmer als im offenen Tal.
An der Kasse zahlen Sie 9 Euro für Erwachsene und 2,50 Euro für Kinder im Alter von 5 bis 15 Jahren, Besitzer des Allgäu-Walser-Passes kommen etwas günstiger hinein. Ihr Hund darf kostenlos mit, muss aber an die Leine. Im Sommer öffnen die Tore ab 9 Uhr, der letzte Einlass wird um 17 Uhr gewährt.
Der Preis für die Bekanntheit der Klamm ist allerdings ein hoher Andrang. In der Feriensaison schieben sich die Besuchermassen dicht an dicht über die schmalen Stege; an Überholen ist in der Enge nicht zu denken. Wenn Sie das Naturschauspiel genießen und nicht im Stau stehen wollen, kommen Sie direkt zur Öffnung um 9 Uhr oder gedulden sich bis nach 15 Uhr, wenn die großen Bustouren abziehen und sich die Parkplätze wieder leeren. Mitten in der Mittagszeit ist die kühlste Schlucht unserer Auswahl für Ihre Nerven sonst paradoxerweise der anstrengendste Ort.
| Merkmal | Breitachklamm |
|---|---|
| Länge | 2,5 km |
| Tiefe | bis 150 m |
| Eintritt | 9 € Erw. / 2,50 € Kind |
| Beste Zeit | vor 10 Uhr oder nach 15 Uhr |
3. Sturmannshöhle bei Obermaiselstein
Manchmal nützt selbst der dichteste Schatten nichts mehr. Wenn die Luft im Tal flimmert, hilft es nur noch, tief unter die Erde abzutauchen. Die Sturmannshöhle bei Obermaiselstein ist die einzige begehbare Spalthöhle im Allgäu und wird bereits seit über einem Jahrhundert als Schauhöhle betrieben. Von ihrem 460 Meter langen Gangsystem sind 287 Meter zugänglich, und im Fels gelten andere Gesetze: Hier herrschen das ganze Jahr über konstant rund 8 Grad. Das ist der entscheidende Punkt dieses Ausflugs: Während man draußen in kurzen Hosen schwitzt, sind Sie drinnen zwingend auf eine warme Jacke angewiesen.
Auf eigene Faust dürfen Sie nicht ins Dunkel; der Besuch ist ausschließlich im Rahmen einer Führung möglich. Diese dauert 30 bis 40 Minuten und startet im Sommer im Stundentakt zwischen 9:30 und 16:30 Uhr. Die Tickets kosten 5 Euro für Erwachsene und 3 Euro für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren. Streng genommen sprechen wir hier weniger von einer Wanderung als von einem eiskalten Programmpunkt. Die Höhle lässt sich in einen schattigen Waldspaziergang integrieren und fungiert als Rückfallebene, falls sich das drohende Hitzegewitter schneller am Himmel zusammenbraut als vom Wetterbericht angekündigt.
| Merkmal | Sturmannshöhle |
|---|---|
| Zugängliche Länge | 287 m |
| Temperatur | konstant ca. 8 °C |
| Führung | 30–40 min, stündlich |
| Eintritt | 5 € Erw. / 3 € Kind |
4. Starzlachklamm am Grünten
Die Starzlachklamm bei Sonthofen liefert die Kombination aus angenehmer Schluchtkühle und einem praktischen Sommer-Bonus: einer großen Gumpe zum Baden, die direkt vor dem Eingang der Klamm auf Sie wartet. Wer gut schwimmt, kann sich hier unter Aufsicht direkt unterhalb des Wasserfalls abkühlen, allerdings sollten Sie die Strömung stets respektieren. Der etwa 4 Kilometer lange Rundweg startet am Parkplatz in Sonthofen-Winkel. Nach einem gut 20-minütigen Anmarsch erreichen Sie den Kiosk am Klammeingang, bevor es vorbei an Wasserfällen, ausgewaschenen Gumpen und steilen Felswänden geht. Für die kleine Runde benötigen Sie eine reine Gehzeit von etwa zwei Stunden.
Der Zugang kostet 5 Euro; wer eine Gästekarte vorzeigt, zahlt nur 4,50 Euro. Hinzu kommt die Parkgebühr von 3 Euro für drei Stunden oder 4 Euro für den ganzen Tag. Geöffnet ist das Naturdenkmal von April bis Mitte November.
Damit der Ausflug nicht im Frust endet, sollten Sie drei logistische Details kennen: Die Wegführung verlangt es, dass Sie teilweise über Gitterböden laufen. Das ist weder für empfindliche Hundepfoten noch für Menschen mit ausgeprägter Höhenangst ein Vergnügen. Zudem gilt: Kinderwagen und Rollstühle kommen nicht durch, auch Fahrräder müssen draußen bleiben. Die nassen Felspassagen verzeihen keine Ausrutscher, weshalb Trittsicherheit und Schuhe mit tiefem Profil hier keine übertriebenen Vorsichtsmaßnahmen, sondern die Grundvoraussetzung sind.
| Merkmal | Starzlachklamm |
|---|---|
| Rundweg | ca. 4 km |
| Dauer | ca. 2 h |
| Eintritt | 5 € (4,50 € mit Gästekarte) |
| Baden | Gumpe am Eingang, mit Vorsicht |
5. Reichenbachklamm bei Pfronten
Zwischen Pfronten und dem Tiroler Vils versteckt sich eine weniger bekannte Alternative: Die Reichenbachklamm ist eine naturbelassene Schlucht mit moosbewachsenen Felsen und kleinen Wasserfällen. Ein markierter Pfad führt tief in das kühle Mikroklima hinein. Der größte Unterschied zu den bekannten Hotspots der Region: Sie finden hier keine Kasse und keinen Eintritt, selbst das Parken ist umsonst. Dafür bietet die enge Klamm eine kühle Ruhezone an heißen Sommertagen.
Vom Parkplatz aus laufen Sie etwa 25 bis 30 Minuten, bis der eigentliche Einstieg vor Ihnen liegt. Für die reine Durchquerung der Klamm brauchen Sie knapp 35 Minuten, doch mit den verschiedenen Rundwegen sollten Sie insgesamt 2 bis 3 Stunden einplanen. Der Anstieg fordert Sie mit 300 Höhenmetern, und genau hier zeigt der Weg seine raue Seite. Der Pfad ist streckenweise schmal und steil. Ohne Trittsicherheit und griffige Wanderschuhe kommen Sie nicht weit. Für kleine, noch ungeübte Kinder, Kinderwagen oder Rollstühle ist das anspruchsvolle Gelände absolut ungeeignet. Ein Detail am Rande: Der Reichenbach bildet die unbeschilderte Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Sie spazieren also zwischendurch kurz ins Ausland, ohne es zu bemerken.
| Merkmal | Reichenbachklamm |
|---|---|
| Dauer gesamt | 2–3 h |
| Höhenmeter | ca. 300 hm |
| Eintritt | kostenlos |
| Anspruch | schmal, steil, trittsicher |
6. Buchenegger Wasserfälle bei Steibis
Für alle, die nach der Wanderung komplett abtauchen wollen, sind die Buchenegger Wasserfälle bei Steibis das wilde Naturbad der Wahl. Die Weißach stürzt hier in zwei Kaskaden in ein türkisblaues, klares Becken, das den Einheimischen schon lange als Freibad dient. Die eigentliche Wanderung von Steibis aus ist mit ihren 3 Kilometern flach und leicht begehbar. Lediglich der finale Abstieg hinunter ans Wasser ist anspruchsvoll: Er ist steil und bei Nässe sehr rutschig, hier rächt sich jeder Verzicht auf griffiges Profil im Schuhwerk sofort.
Bei all den Bildern im Netz geraten zwei sehr nüchterne Fakten oft aus dem Blickfeld. Zum einen erreicht das Wasser selbst im Hochsommer kaum 18 Grad. Wenn Sie hier hineinspringen, erwartet Sie kein laues Planschbecken, sondern ein enormer Kältereiz für den Kreislauf. Zum anderen birgt das beliebte Klippenspringen von der oberen Kante (immerhin gut 30 Meter über dem Wasser) massive Risiken. Der Wasserstand schwankt extrem, und das untere Becken verkiest zunehmend. Wer die aktuelle Wassertiefe nicht kennt, begibt sich in akute Verletzungsgefahr und springt am besten gar nicht. Für die Anreise gilt: Sparen Sie sich den Versuch, direkt in Buchenegg zu parken, da dies nicht mehr erlaubt ist. Steuern Sie stattdessen Steibis oder den großen Parkplatz der Hündle-Bergbahn an.
| Merkmal | Buchenegger Wasserfälle |
|---|---|
| Strecke ab Steibis | ca. 3 km |
| Wassertemperatur | kaum 18 °C im Sommer |
| Abstieg | steil, bei Nässe rutschig |
| Parken | Steibis oder Hündle, nicht Buchenegg |
7. Obere Hausbachklamm bei Oberreute
Sie möchten bei Hitze lieber Kilometer machen, statt steile Wände hinaufzukraxeln? Dann bietet die Obere Hausbachklamm bei Oberreute ein flacheres Profil. Diese ausgedehnte Runde misst 12,6 Kilometer, kommt dabei aber mit sehr moderaten 260 Höhenmetern aus. Offiziell als leicht (T1) eingestuft, sind Sie hier bei flotter Gangart gut 3,5 Stunden in Bewegung. Der Hauptvorteil dieser Route ist die Lage im tiefen Bachtal des Westallgäus. Dichtes Grün schirmt die Sonne ab, während das Wildrosenmoos mit seinem kleinen Moorsee das Bild prägt.
Ein Großteil des Weges führt verlässlich im kühlen Schatten am Wasser entlang. Das macht die lange Distanz auch an Tagen erträglich, an denen Sie auf einem offenen, schattenlosen Bergrücken längst kapitulieren müssten. Im direkten Vergleich mit den tief in den Fels gefrästen Klammen ist diese Tour weniger steil, punktet dafür aber mit gleichmäßiger Ruhe und Weitläufigkeit, ideal für alle, die dem sommerlichen Trubel ausweichen möchten. Unterschätzen Sie die Distanz trotz des einfachen Profils nicht: Über zwölf Kilometer verlangen Ausdauer. Packen Sie ausreichend Wasser in den Rucksack, da sich am Wegesrand nicht durchgehend bewirtschaftete Hütten finden.
| Merkmal | Obere Hausbachklamm |
|---|---|
| Länge | 12,6 km |
| Höhenmeter | 260 hm |
| Dauer | ca. 3,5 h |
| Schwierigkeit | T1 (leicht) |
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